Dachdecker:

Tarifpolitk
Dachdecker: IG BAU fordert 6,3 Prozent mehr Lohn, Gehalt und Ausbildungsvergütung  
Erste Verhandlungsrunde endet ohne Angebot der Arbeitgeber

Am 22. Juni 2011 hat die Tarifrunde 2011 für die Dachdecker begonnen. Die IG BAU fordert 6,3 Prozent mehr Lohn, Gehalt und Ausbildungsvergütung für die mehr als 60.000 Beschäftigten der Branche. Ein besonderes Augenmerk legt die Verhandlungskommission der IG BAU dabei auf eine spürbare Erhöhung der Ausbildungsvergütung.

Die Forderung ist mehr als begründet. Die wirtschaftliche Situation im Dachdeckerhandwerk hat sich gegenüber dem Jahr 2010, das trotz starken Witterungseinflüssen positiv verlief, nochmals deutlich verbessert. Im I. Quartal 2011 hat die Zahl der Beschäftigten gegenüber dem Vorjahresquartal um 11,3 Prozent zugenommen. Im April 2011 stieg die Zahl der Beschäftigten auf 61.787. Dabei spielt nicht nur der relativ milde Winter eine Rolle, sondern ist der sehr guten Auftragslage der Betriebe geschuldet. Im letzten Jahr betrug der Auftragsvor-lauf der Betriebe 3,7 Monate, im 1. Quartal 2011 sogar 3,9 Monate. Die Auslastung der Betriebe hat insgesamt um 20 Prozent gegenüber dem 1. Quartal 2010 zugenommen.

Das Dachdeckerhandwerk profitiert sehr stark von der Nachfrage im Bereich der energetischen Gebäudesanierung, der steigenden Nachfrage im Neubau und dem Zuwachs bei Photovoltaik- und Solarthermieanlagen. Auch vom Konjunkturpaket II kann das Dachdeckerhandwerk in diesem Jahr noch profitieren.

In einer Umfrage des Zentralverbandes des deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) unter den Mitgliedsbetrieben beurteilen zudem 62 Prozent der Betriebe die wirtschaftlichen Aus-sichten für den Jahresverlauf mit ,,gut‘‘ bis ,,sehr gut‘‘. Die Ertragslage ihrer Betriebe schätzen knapp 80 Prozent der Betriebsinhaber mit ,,sehr gut‘‘ bis ,,befriedigend‘‘ ein.

Die IG BAU Verhandlungskommission machte deutlich, dass die Beschäftigten vom guten wirtschaftlichen Klima profitieren sollen. Darüber hinaus belasten Preissteigerungen in zunehmendem Maße die Taschen der Arbeitnehmer. Außerdem gilt es, mit attraktiven Einkommensbedingungen Fachkräfte in der Branche zu halten und Nachwuchs für die Zukunft zu gewinnen. In vielen Regionen ist der Kampf um Fachkräfte im Dachdeckerhandwerk bereits deutlich zu spüren. Auch bei der Gewinnung von Auszubildenden verzeichnen einige Regionen zum Teil deutliche Rückgänge.

Obwohl alle sachlichen Argumente für die Forderung der IG BAU sprechen, legten die Arbeitgeber kein Angebot vor.
Die Belastung der Betriebe mit steigenden Materialpreisen und das nach wie vor schlechte Preisniveau war die Begründung der Arbeitgeber dafür. Weiterhin erklärten sie, dass Fachkräfte nicht durch hohe Löhne gehalten werden können und dass auch die Probleme bei der Gewinnung von Auszubildenden nicht durch höhere Vergütung zu lösen sind. Darüber hinaus trugen sie vor, auch über Rahmentarifmaterie verhandeln zu wollen. Dabei soll es um die Modernisierung des Rahmentarifvertrages gehen. Nähere Einzel-eiten wollten sie aber nicht nennen.

Die IG BAU stellte nochmals klar, dass es in den Verhandlungen um den Lohn-, Gehalts- und Ausbildungsvergütungstarifvertrag geht, machte aber deutlich, dass - wenn Rahmenmaterie verhandelt werden soll - auch die IG BAU einige Punkte in die Verhandlungen einbringen wird.

Es wurde vereinbart, sich den Veränderungsbedarf bis zur nächsten Verhandlung am 14. Juli 2011 gegenseitig zu übermitteln.

Um Bewegung auf der Arbeitgeberseite zu erzielen, ist es wichtig, die Beschäftigten in den Betrieben darüber zu informieren, dass die Arbeitgeber ihnen eine Lohnerhöhung verweigern.

Die Arbeitgeber müssen jetzt Bewegung in den Betrieben spüren.

Geschrieben am 30.06.2011 17:31:33